Das Steinfestival entwickelt sich zu einem immer beliebteren Treffpunkt für Steinmetze und Steinbildhauer aus ganz Europa. Anfang Juni war Salzburg Austragungsort für die 15. Veranstaltung. Mit 125 Teilnehmern aus 16 Nationen war das Festival international bestens besetzt.

Seit 1999 treffen sich Lehrlinge, Gesellen, Steinmetzmeister und Steinbildhauer zu einem grenzüberschreitenden, handwerklichen Wettstreit und Erfahrungsaustausch. Nach mehreren Stationen in Deutschland, Frankreich, England, Ungarn und Norwegen fand das diesjährige Steinfestival bereits zum zweiten Mal in Österreich statt. Federführender Organisator war Steinmetzmeister Adolf Moser, der schon das erste Festival von 2009 nach Salzburg geholt und souverän über die Bühne gebracht hatte. Tatkräftige unterstützt von der Salzburger Steinmetzinnung und dem Steinzentrum Hallein, das langjährige Erfahrung in der Ausrichtung publikumswirksamer Veranstaltungen der österreichischen Steinmetze besitzt, wurde das Fest vom 3. bis 5. Juni 2016 ein voller Erfolg für die gesamte österreichische und europäische Steinmetzbranche.

Allen Teilnehmern stand ein Werkplatz mit einem 20 x 30 x 30 Zentimeter großen Stein zur Verfügung, den sie in rund 17 Stunden nach zuvor angefertigten Entwürfen bearbeiteten. Das Thema des Steinfestivals wird jeweils von den Organisatoren gewählt. In Salzburg ließ das Motto "Von der Romanik bis zur Neuzeit" bewusst viel Spielraum zur Interpretation.

Auch Profis sind dabei

 

Das besondere Flair des Festivals ist die vielfältige Mischung: Neben Teilnehmern aus ganz Europa waren auch Steinmetze aus der Ukraine, aber auch aus Argentinien und Kolumbien gemeldet. Ein weiteres Plus ist die Zusammensetzung: Das Festival zieht Lehrlinge, aber auch Profis an. Viele sind als Lehrlinge zum ersten Mal dabei und kommen als ausgelernte Profis oder Meister immer wieder, schildert Adolf Moser. Gemischt war auch die rund 30-köpfige österreichische Gruppe aus Lehrlingen, Gesellen und Meistern; die Steinmetz-Europameisterin Melanie Seidl war in der österreichischen Gruppe ebenso vertreten wie Marius Golser; für den amtierenden Steinmetz-Weltmeister war es bereits das dritte Steinfestival. Bei seinem ersten Festival 2009 in Salzburg stand er noch in der Ausbildung, heuer trat er als angehender Meister an. Seidl und Golser genossen die entspannte Stimmung an den beiden Tagen und den Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus dem nahen und fernen Ausland. Als erfolgreiche Gewinner von Berufswettkämpfen schätzen sie besonders, dass auch die Lehrlinge am Steinfestival teilnehmen und sich Motivation und Ehrgeiz für den gewählten Beruf holen.

Große Bühne für das Handwerk

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hat die große Akzeptanz seitens der Stadtverwaltung. Nach der erfolgreichen und harmonischen Premiere 2009 fanden die Organisatoren auch 2016 bei der Stadtverwaltung offene Türen. In Salzburg finden in der Sommerzeit sehr viele Veranstaltungen statt, trotzdem gelang es, mit dem Standort am Kapitelplatz einen Platz in der ersten Reihe zu erhalten. Einen prominenteren Platz als direkt am Dom gibt es nicht, darüber waren sich alle Organisatoren und Teilnehmer einig.

Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker sieht im Steinfestival in Salzburg die optimale Gelegenheit, die Vielfältigkeit des Berufes der Steinmetze und Steinbildhauer öffentlich zu präsentieren. Obwohl die Veranstaltung 1999 ursprünglich als Festival der Steinmetzen begonnen hatte, zieht es mittlerweile auch Bildhauer aus ganz Europa an. Für Wolfgang Ecker ein schöner Effekt, denn „wir ziehen an einem Strang, um das Image unseres Handwerks zu pflegen und zu heben.“

Auch Organisator Adolf Moser hofft, dass sich jugendliche Besucher angesichts der vielfältigen Arbeiten für den Beruf interessieren. Darüber hinaus lobt Moser die große Unterstützung durch die Betriebe der Salzburger Landesinnung unter dem Fachvertretungsvorsitzenden Helmut Moser. Die Planung habe gleich nach Weihnachten 2015 begonnen, danach folgten die Behördengänge. Zwar gab es im Vergleich zu 2009 mehr Auflagen der Behörden, der Mehraufwand wurde von den Salzburger Steinmetzbetrieben aber gemeinsam gut gemeistert. Viele helfende Hände gab es auch auf der Veranstaltung selbst; allein beim Aufbau der Arbeitsplätze halfen über zehn Steinmetzmeister tatkräftig mit. Das ist ein erhebendes Gefühl, schildert Helmut Moser: „Die Begeisterung der Teilnehmer schlägt sich auch bei den Organisatoren nieder. Das ist der schönste Dank.“

Tatkräftige Sponsoren

Zahlreiche Sponsoren unterstützten das Festival 2016 mit Geld- und Sachspenden. Carl ZEISS und ASAK Kabelmedien ebenso wie die Bauchemiebranche, Maschinenhersteller, die Bronzegießerei Strassacker, die Bundesinnung der österreichischen Steinmetze und zahlreiche Steinmetzbetriebe und Steinlieferanten aus Österreich und Deutschland. Der Werkzeug- und Maschinenlieferant GEMBA versorgte die Teilnehmer mit Werkzeug und stellte einen Schleifbock zur Verfügung.

And the winner is...

Am Sonntagnachmittag fand die Prämierung der besten Arbeiten statt, getrennt nach dem jeweiligen Ausbildungsstand. Die Bewertung oblag einer internationalen Jury aus Steinbildhauer und Steinmetzmeister Martin Schmeiser (Österreich), Gabriella Csanadi (Landesinnung Ungarn), Bernward Fiedler, Sami Schöning und Stephan Bickel (alle Meisterschule Freiburg, Deutschland) und Norbert Stoffel (Berufschule Saverne, Frankreich). Das Niveau der Arbeiten steigt von Jahr zu Jahr; entsprechend groß war heuer die Auswahl auszeichnungswürdiger Werke. Über den Hauptpreis der Jury durfte sich Alex Wenham freuen. Sein Kapitell mit einem Steinmetz mit Flex geriet dem Engländer nach allen Regeln der Kunst. Bemerkenswert war Wenhams Interpretation der Staubwolken, die die Flex aufwirbelt: In großem Bogen ziehen sie sich um die Figur und formen die für ein klassisches Kapitell typischen Voluten. Damit spannte der schon auf früheren Festivals siegreiche Bildhauer den Bogen von der Romanik bis zur Neuzeit.

Der Sieger in der Kategorie Gesellen ist ebenfalls ein bekannter Name in der internationalen Steinmetz-Szene: Marius Golser, der Gewinner der Berufs-WM in Sao Paulo, setzte sich mit seinem Kaiser Karl-Portrait in der starken Konkurrenz durch. In der Gruppe der Auszubildenden erreichte Melanie Kien aus Berchtesgaden den 2. Platz, sie absolviert gerade die Steinfachschule der HTL Hallein.

Großer Besucherandrang

Salzburg ist eng mit der Steinmetz- und Steinbildhauerkunst verbunden. Entsprechend groß war das Interesse der Besucher an der Kunstfertigkeit der Teilnehmer. Ab Samstagvormittag flanierten Einheimische und Touristen zwischen den Teilnehmern hindurch, schauten den Nachwuchstalenten und Profis über die Schulter und stellten eifrig Fragen zum Stein und zum Beruf. Das erfreulich große Interesse am Steinhandwerk bewies nicht zuletzt die Versteigerung am Sonntagnachmittag. Den höchsten Erlös mit 1000 Euro brachte eine Mozartbüste eines englischen Bildhauers, aber auch die anderen Steine erzielten beachtliche Preise. Mit dem Erlös der Versteigerung wird die Förderung des Berufsnachwuchses unterstützt.

Das nächste Steinfestival findet vom 19. – 21. Mai 2017 in Kiskunfélegyháza in Ungarn statt.

Mehr Informationen: www.stein-festival.de

Die Preisträger

Meister

1. Preis: Alex Wenham, England

2. Preis: Bence Guth, Ungarn

3. Preis Christian Heerklotz, Deutschland

Gesellen

1. Preis Marius Golser, Österreich

2. Preis Marc McDonnell, England

3. Preis Tomas Petukauskas, Litauen

Auszubildende

1. Preis Pierre Mura, Frankreich

2. Preis Melanie Kien, Deutschland

3. Preis Isttvan Ladomerski, Ungarn

Bildunterschriften

 

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Steinhandwerk fasziniert: Neben einheimischen Passanten und Touristen staunen auch Profis wie die niederösterreichische Landesinnungsmeisterin Judith Hönig über die Kunstfertigkeit der Teilnehmer.

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Konzentriertes Arbeiten und gute Unterhaltung: Das Europäische Steinfestival ist handwerklicher Wettstreit und gesellschaftliches Ereignis zugleich.

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Auszeichnung der Salzburger Landesinnung der Steinmetze: Steinmetzmeister Adolf Moser organisierte bereits zum zweiten Mal das Steinfestival in Salzburg. Dahinter Salzburgs Landesinnungsmeister Helmut Moser (r.) und der Initiator des Europäischen Steinfestivals, Bernward Fiedler aus Freiburg im Breisgau (Mitte) und Steinmetzmeister Peter Ziller (l.).

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Der Berufsnachwuchs konzentriert bei der Arbeit: Paul Orasche und Robert Ziller feilen an Details einer steinernen Hand.

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Unter den Augen der Besucher: Johannes Pichler arbeitet an einer Maske nach ägyptischen Vorbildern.

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Letzte Details ausarbeiten: Österreichs Steinmetz-Weltmeister Marius Golser gewinnt mit der Portraitbüste vom Kaiser Karl in der Bewertungskategorie der Gesellen.

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Gesamtsieger: Mit seinem modern interpretierten Kapitell gewinnt der englische Bildhauer Alex Wenham in der Gruppe der Profis.

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Alle Preisträger bei der Siegerehrung: Der Steinbildhauer Alex Wenham gewann den Sonderpreis des Salzburger Landeshauptmanns Wilfried Haslauer, stellvertretend überreicht durch die Landtagsabgeordnete Mag. Daniela Gutschi (5.v.l.). Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker (2.v.r.) und Organisator Adolf Moser gratulieren.

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Bei der Vorbesichtigung: Die Interessenten drängen sich um die ausgestellten Steine, um sich Überblick zu verschaffen und die schönsten Stücke auszusuchen.

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Amüsant und erfolgreich: Professionelle Versteigerung der fertigen Steine durch den Leiter des Dorotheums Salzburg, Mag. Walter Sonnberger.

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